Golden Cage, 2022

14 verschiedene Blattgold Varianten

Kozo/Mitsumata double layered Paper

2 x 210 x 160 cm

Das Werk „Golden Cage“ thematisiert mit den 1975 aleatorisch angeordneten Rechtecken die globalen Zusammenhänge des von Menschen verursachten fossilen Energieverbrauchs und den damit einhergehenden überproportionalen Anstiegs des CO2 Vorkommens in unserer Athmosphäre. Der Zeitraum umfasst die letzten 800‘000 Jahre. 800‘000 Jahre harmonisches Chaos gestört durch Änderungen der Anfangsbedingungen seit dem Beginn der industriellen Revolutionen.

Weitere Werke in diesem Zyklus:

Golden Cage 12ky, 2 x 98 x 68 cm, 2022

Christof Rösch, Künstlerischer Direktor Fundaziun Nairs

Das Werk ‘Golden Cage’ ist in der Abgeschiedenheit des Künstlerhauses Nairs im Unterengadin entstanden, an einem Ort an dem die Zeit nicht still steht, aber anders tickt: Die Stille des Orts an den Quellen und die damit verbundene Verlangsamung der Zeit, haben Stefan Schlumpf eine Intensität und Dichte erleben lassen, die in ‘Golden Cage’ mit der Klimageschichte der Erde korelliert.

Die Faktenlage ist eindeutig: Heute ist die CO2-Konzentration 38 mal höher als in den letzten 800'000 Jahren und in den letzten 50 Jahren ist sie als Folge der 3. industriellen Revolution 100 mal schneller angestiegen. Gebetsmühlenartig und repetitiv werden weltweit Klimadebatten mit dem Ziel die CO2-Emissionen zu reduzieren, geführt. Genauso repetitiv und rasterartig hat Stefan Schlumpf die Blattgoldplättchen auf dem immensen Papierträger aufgebracht. Das fragile Werk ‘Golden Cage’ ist konzeptuell und handwerklich zugleich und hat eine minimalistische Anmutung. Das Gold, das für Reichtum und Macht steht, verführt auch hier den Betrachter. Die Brisanz des global prioritären Themas versteckt sich hinter der beinahe erhabenen Stille des Werks, fast wie die im polaren Eis eingeschlossene alte Luft, die das einzige Klimaarchiv der Erde bildet. Die aleatorische* Verteilung der Farbfelder, beziehungsweise der verschiedenen Goldtöne, in den senkrecht nebeneinander gesetzten Spalten stehen für die unendlich vielen steigenden und fallenden Tendenzen der CO2-Konzentration in den vergangenen 800‘000 Jahren. Lediglich die letzte Spalte zeigt die drastische Auswirkung des fossilen Energieverbrauchs durch die Menschheit, respektive den Einfluss der Industrierevolutionen und den damit verbundenen Erdölboom. Diese Phase der Erdgeschichte – auch mit Anthropozän bezeichnet – wird durch den farblosesten Goldton, durch das Mondgold, repräsentiert. Das Mondgold kann auch als Metapher für die 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts verstanden werden, die nicht nur von einem Erdölboom, einer Erdölkrise und der ersten Mondlandung geprägt waren, sondern ebenso weitere globale Krisen erahnen liessen. Unter dem Einfluss des Menschen ist ein über mehrere Hunderttausend Jahre funktionierendes System zusammengebrochen. Vielleicht besteht ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Mit den Mitteln der Kunst ruft uns Stefan Schlumpf dazu auf, zu begreifen, dass wir inmitten des Endes einer Ära leben, das auch ein Neuanfang sein kann. Oder anders ausgedrückt: Nur eine Ästhetik der Verlangsamung und die damit verbundene Haltung der Ressourcenschonung kann noch Schlimmeres verhindern. Die Kunst wird die Welt nicht retten, aber die Tiefenbohrungen in Kunst und Wissenschaft sind Voraussetzung dafür unsere Haltung und unser Verhalten auf diesem Planeten radikal zu hinterfragen und zu verändern. ‘Golden Cage’ zeigt exemplarisch auf, wie Kunst und Leben zusammenhängen, ebenso aber auch wie nahe Dystopie und Utopie einander sind.